Geburtsschmerz: Sinnhaftigkeit - Bewältigung


mit Hebamme Ulrike Ploil
€ 7,-/Person
keine Anmeldung erforderlich!
donnerstags 15:00 Uhr
19.01., 23.03., 11.05., 29.06., 31.08., 19.10., 30.11.2017


Der Geburtsschmerz als Gesundheitsfaktor

Es interessierte mich schon immer, warum Frauen, obwohl die Geburt ein ganz natürlicher Vorgang ist, so intensive Schmerzen erleben müssen. Aus diesem Grund entschloss ich mich, an einem Seminar von Hebamme Verena Schmid zu diesem Thema teilzunehmen. Was ich davon mitnehmen konnte, möchte ich weitergeben.

Ich als Hebamme habe dadurch eine wesentlich größere Sicherheit im Umgang mit den Schmerzen der Frauen bei der Geburt erlangt.    
Der Grund ist ein anderes/neues Verständnis für diese Schmerzen. Ich bin mir sicher, dass jede Frau, die über die Ursachen und die Sinnhaftigkeit des Geburtsschmerzes Bescheid weiß, für sich sinnvolle Wege im Umgang damit finden kann.

Der Schmerz bei der Geburt ist in erster Linie ein Schutz für die gebärende Frau und ihr Kind. Sie kann instinktiv dem Schmerz ausweichen, sich den Schmerz durch Bewegung, Massage erleichtern, und damit das Kind in eine möglichst schmerzfreie, optimale Haltung und Stellung leiten.
Während der Wehen, während der Schmerzen werden Trauer, Verlust und Krisen von früher wieder präsent. Es können durch eine positiv erlebte Geburt auch Krisen aus vergangener Zeit neu bewertet und geheilt werden.

Bei einer normalen Geburt muss sich der Körper der Frau öffnen, wie er sich auch bei einer lustvoll gelebten Sexualität öffnet. Die sexuelle Energie, die dabei frei wird, ist eine Energie, die dem Partner der Frau, dem Kind der Frau und der Frau alleine gehören. Die Frau verliebt sich bei einer Geburt, wenn diese sexuelle Energie frei wird, in ihr Kind und wieder neu in ihren Partner. Alle anderen Personen sollen sich im Hintergrund halten, die Frau soll sich ja nicht in die Hebamme oder die Ärztin/den Arzt verlieben.

Wie jede einzelne Frau mit den Geburtsschmerzen umgehen kann, hängt von einigen Faktoren ab, derer sie sich bewusst werden kann und die sie, vor allem in der Schwangerschaft, gut beeinflussen kann.

Um dem Schmerz bei der Geburt begegnen zu können, kann die Frau verschiedene Waffen/Hilfen bereit haben.
Eine davon ist das Wissen um die Sinnhaftigkeit (Schutz vor Verletzung) und Ursache des Schmerzes (Öffnung der Eingeweide, Dehnung und Umgestaltung des Beckens, der Gebärmutter, des Muttermundes, des Beckenbodens und der Scheide) und die Schmerzempfindungen in den verschiedenen Phasen der Geburt.

Massagen, Bewegung, Wärme, Kälte, Wasser, Stimme - singen, atmen und tönen - sind hilfreiche Maßnahmen beim Umgang mit Schmerzen.

Schmerzerfahrungen, die wir früher gemacht haben und bewältigt haben, erleichtern die Akzeptanz des Geburtsschmerzes.

Durch Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte, durch Informationen über die Möglichkeit der Erweiterung der Kräfte, durch realistische Erwartungen kann die Frau dem Schmerz der Geburt begegnen. Sie kann in der Schwangerschaft ihre Schmerzreaktionen erfahren und diese durch Körperübungen erweitern. Sie kann schon in der Schwangerschaft lernen, die Stimme einzusetzen. Die schwangere Frau kann herausfinden, wodurch sie in ihrem Leben bis jetzt bezüglich Schmerz geprägt wurde. Sie kann das alles und noch vieles mehr in Geburtsvorbereitungskursen mit Hebammen erproben.

Wenn eine Frau die Akzeptanz der Geburtsschmerzen erhöhen kann, wirken viele verschiedene Hormone besser zusammen und erleichtern ihr wiederum die Geburt. Die Pausen zwischen den Wehen sind einzigartig, sie ermöglichen einen tranceartigen Zustand, der die nächste Wehe leichter ertragen lässt. Wenn die Pause zur Entspannung genutzt werden kann, ist auch die Wehe leichter zu verarbeiten.

Es ist wichtig, dass einer gebärenden Frau ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten nicht genommen werden, dass sie sich frei bewegen kann, dass sie den Schmerz so äußern kann, wie sie will, dass sie liebevoll und respektvoll bei der Geburtsarbeit begleitet wird und in ihrer Kraft unterstützt wird.
Ich hoffe, Sie neugierig gemacht zu haben, dem Schmerz der Geburt begegnen zu wollen und ihn nicht von vornherein auszuschalten.

Einen Artikel von Verena Schmid zum Thema Geburtsschmerz finden Sie hier.