„Hausgeburt – Let’s do it!“ – bei diesem Info-Abend im Hebammenzentrum wurde für mich klar, was in den Wochen davor gereift war: Ich will mich nicht in ein Krankenhaus begeben, wenn unsere Tochter auf die Welt kommt – ich will eine Hausgeburt.

Wie kam es dazu? Die Geburt unseres ersten Kindes war eine Spitalsgeburt. Wir hatten damals kurz an eine Hausgeburt gedacht, den Gedanken aber wieder verworfen. Wir wollten die „Sicherheitsvariante“ ... falls „etwas schief geht“. Wir, das sind meine Partnerin Marianne und ich. Ein Frauenpaar auf dem Weg zur Regenbogenfamilie. Und schwanger war damals nicht ich, sondern Marianne.
Die „Sicherheitsvariante“ wurde zu einer Klinikgeburt mit einem Verlauf, den mittlerweile leider einige Geburten haben: Nicht genügend „Fortschritt“, diverse Interventionen und nach 24 Stunden Wehen ein Kaiserschnitt, von dessen Notwendigkeit wir bis heute nicht überzeugt sind. Ja, wir waren froh, einen gesunden Buben zu haben. Und wir waren traurig, dass es trotz aller Bemühungen um eine natürliche Geburt in einem Kaiserschnitt endete.
Nun war unser zweites Kind unterwegs, diesmal durfte ich die „Bauchmama“ sein und als es um die Wahl des Geburtsortes ging, war dies einer der wenigen Momente in meiner Schwangerschaft, der mich unrund machte. Der Gedanke an eine Hausgeburt keimte wieder auf und an besagten Abend im Hebammenzentrum wollte ich Infos einholen und Ängste und Befürchtungen aussprechen. Ein Satz an diesem Abend blieb mir besonders in Erinnerung: „Das Wichtigste ist, Vertrauen in deine Hebamme zu haben.“
Unsere Hebamme Dani Hörack hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht persönlich kennengelernt. Wir hatten einmal telefoniert und ich war froh, überhaupt noch jemanden gefunden zu haben. Geburtstermin war Mitte August (also in der Urlaubs- und Ferienzeit) ich war schon in der 18. SSW. Wie sich später herausstellen sollte, hat sich alles so ergeben, wie es sein sollte: Dani war genau die Hebamme, die Marianne und ich brauchten und zu der das zuvor genannte Vertrauensverhältnis ab dem ersten Kennenlernen vorhanden war.
Die Entscheidung für die Hausgeburt war gefallen und wir beide waren sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Der Rest der Schwangerschaft verlief sehr gut, ich fühlte mich großartig und selbst unsere hausgeburtsskeptische Gynäkologin musste zugeben, dass nichts gegen eine Geburt in den eigenen vier Wänden spricht.
Der Geburtstermin nahte und ich hatte immer das Gefühl, dass unsere Tochter schon davor kommen würde. So war es auch. Etwa 10 Tage vor dem errechneten Termin erwachte ich um 1:15 Uhr, als Elias, unser „Großer“ wach wurde. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Gang auf die Toilette und auf dem Weg zurück ins Bett merkte ich, dass ich „undicht“ war. Im ersten Moment dachte ich nur an die Harnblase, aber relativ schnell dämmerte mir, dass die Flüssigkeit wohl aus der Fruchtblase kam. Ein weiteres Zeichen beendete alle Spekulationen: Ich spürte erste Kontraktionen.
Ich ließ mir eine Badewanne ein und sagte Marianne Bescheid. In der Wanne kamen weitere Wehen, irgendwie ging gleich alles ganz flott dahin. Hinlegen wollte ich mich nicht mehr und die Wärmeflasche, die mir Marianne gebracht hatte warf ich in die nächste Ecke. Und ständig hatte ich das Gefühl, auf die Toilette zu müssen.
Gegen 2 Uhr rief Marianne erstmals bei Dani an. Wir vereinbarten, uns in einer Stunde nochmals zu melden. In dieser Stunde pendelte ich zwischen Toilette, Dusche (es war eine heiße Sommernacht) und einem Platz vor der Badewanne hin und her. Bald war mir klar, dass ich mich aus unserem schönen Badezimmer nicht mehr wegbewegen würde. Hier hatte ich alles was ich brauchte in unmittelbarer Nähe.
Eine Stunde später hatte ich alle 5 – 7 Minuten Wehen. Auf die Frage „Soll sich Dani dann auf den Weg machen?“ war meine Antwort ein eindeutiges „Ja!“. Ich hatte das Gefühl, dass alles gut dahingehen würde.
Ich hatte eine schöne Position vor der Badewanne gefunden – kniend, schaukelnd, mich gut anhaltend. Dazwischen immer wieder mal eine kurze Dusche, aber das wurde zunehmend unangenehm: Es war erfrischend, aber gleichzeitig wehenintensivierend.
Insgesamt ließ ich mich von dem Geburtsvorgang treiben. Ich war ganz bei mir und Marianne war sehr präsent und ließ mich gleichzeitig ganz in Ruhe. Sie saß in unmittelbarer Nähe und war einfach da.
Als Dani gegen halb 5 kam war ich dann schon ganz froh darum. Nicht, dass ich mir wegen irgendetwas Sorgen machte. Es tat einfach gut, dass sie da war und nebenbei bemerkte, dass dieses und jenes gute Zeichen wären.
Jetzt hatte ich zwei präsente Frauen als Unterstützung. Dani klinkte sich einfach ein. Sie tat einfach – ohne viele Fragen und ohne viele Worte. Mal bekam ich einen kühlen Waschlappen in den Nacken, dann etwas unter meine Knie – und zwischendurch unterstützte sie mich während der Wehen.
Marianne meinte im Nachhinein, ihr hätte am meisten imponiert, wie gut sich Dani auf mich eingelassen hätte – und das stimmt. Ihr Kommen änderte nichts am Ablauf. Sie war sofort mit mir auf einer „Welle“ und die pure Unterstützung.
Zwischendurch schickte sie Marianne zum Kaffeekochen für die Dammkompressen und irgendwann sagte sie mir, sie wolle sich mal ein Bild machen „wo wir stehen“. Es sollte die erste und letzte vaginale Untersuchung sein: Der Muttermund war zur Gänze geöffnet und der Druck, den ich dem Darm zugeordnet hatte kam von unserer Tochter, die ordentlich anschob.
So ging’s dahin. Irgendwann wurde die Oma gerufen, um für Elias da zu sein, wenn er aufwachte. Rund 10 Minuten später war er wach und staunte nicht schlecht, was da vor sich ging. Kurz war er bei uns im Bad – aber mich tönen zu hören war ihm dann doch zu steil.
Einen Punkt gab es im Geburtsverlauf, wo ich aus meinem „Tun“ rauskam. Dani wollte mir via Spiegel zeigen, dass man den Kopf unserer Tochter schon sehen konnte. Das war mir in dem Moment im wahrsten Sinn des Wortes zu „kopfig“. Ich wollte mich gern einfach weiter treiben lassen.
Die letzten 3 – 4 Wehen empfand ich als heftig. Mit allem davor, konnte ich gut umgehen. Da war Druck, das war pure Energie. Ich finde nicht die richtigen Worte dafür: Es war ein einzigartiges und wahrhaft überwältigendes Gefühl. Das war schon anstrengend – aber wirklich schmerzhaft empfand ich es nur gegen Ende. Da hatte ich das Gefühl, als würde mir ein spitzer Gegenstand beim Scheideneingang reingedrückt – dabei war es unsere Tochter, die von innen gegen mein Schambein drückte.
Und dann war der Kopf geboren – und an Mariannes Blick konnte ich erkennen, dass das alles auch für sie gerade sehr besonders war. Kurz danach – um 6:31 und somit nach nicht einmal fünfeinhalb Stunden – lag unsere Tochter Linnea vor mir auf dem Badezimmerboden und sammelte sich für ihre ersten Töne. Zerknautscht, runzelig, voller Käseschmiere und mit einer kurzen Nabelschnur, die mich daran hinderte, sie gleich ganz hochzunehmen. Aber das war egal. Zum Kuscheln sollten wir in den nächsten Tagen noch genug Zeit haben.
Die Nabelschnur war rasch auspulsiert, Marianne nabelte sie ab und auch die Plazenta kam gleich nach. Und dann gings ins frisch gemachte Bett und Linnea kam an meine Brust. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Das Besondere an der Geburt war, dass ich mich durchgehend wohlfühlte und von allen Seiten optimal unterstützt wurde.
Marianne wusste von Elias’ Geburt, dass es Zeiten gibt, wo man nicht angesprochen und schon gar nicht angegriffen werden will – ich war so froh, dass ich ihr nichts erklären musste.
Dani wusste zu jeder Zeit, was ich gerade brauchte. Sie unterstützte mich, „bediente“ sich ganz unkompliziert, wenn sie etwas benötigte und war vor, während und nach der Geburt eine perfekte Begleiterin.
Linnea selbst hat auch fleißig mitgeholfen. Ich hatte während der Geburt immer wieder das Gefühl, dass sie richtig mit mir mitarbeitet und kräftig antaucht.
Alles in Allem gibt es nichts, was ich mir für diese Nacht anders gewünscht hätte – die Geburt war ein rundum perfektes Erlebnis und ich bin unendlich dankbar, dass ich es so erleben durfte.
Tanja