Schwangerschaft & Geburt angstfrei und natürlich erleben

Es handelt sich um eine aktualisierte Neuauflage des 1999 im Irisiana-Verlag erschienen Buches „Geburt in Geborgenheit und Würde“ von der langjährigen Hausgeburtshebamme und Leiterin des Mütterstudios Bad Fischau, Ilona Schwägerl, und ihrer Mitautorin, der Lehrerin Beate Jorda. Das Buch richtet sich an (werdende) Mütter/Eltern und versteht sich als Begleitbuch durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Ziel der Autorinnen ist, das Vertrauen der Frauen in ihren Körper und ihre Kraft zu stärken, für die Signale ihres Körpers hellhörig zu werden, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen und durch gute Geburtsvorbereitung mit Vorfreude in die Geburt gehen zu können. Damit ist es vergleichbar mit der weit verbreiteten „Hebammensprechstunde“, nur ist es netterweise einmal ein Buch aus Österreich.
Die erste Hälfte des Buches bespricht viele Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und gibt eine Fülle von Tipps, die bei Beschwerden sanft helfen können. Dabei schöpft die Autorin aus altem Hebammenwissen und ihrem langjährigen Erfahrungsschatz, es finden sich viele Hinweise zu Anwendungen von Gewürzen, Kräutern, Honig und Massagen,  ein ganzes Kapitel widmet sich Einläufen - Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen. Beschwerden werden dabei nicht als Fehler der Natur, sondern als an uns gerichtete Botschaften verstanden, auf die wir hören sollten. Auch der Ernährung wird ein großer Stellenwert eingeräumt. Die Hausgeburt wird in einem eigenen Kapitel behandelt. Weiters gibt es 14 Geburtsberichte von Frauen und Männern - vor allem Hausgeburten bzw. erste Geburten im Krankenhaus und nachfolgende Hausgeburten - die viel Mut machen und berühren. Gastautorinnen/Gastautoren geben abschließend eine kurze Einführung in komplementärmedizinische Behandlungsmethoden (Akupunktur, CranioSacrale Therapie, Homöopathie, TCM, Bachblüten, Aromatherapie). Auch wenn die Autorinnen explizit auch Frauen/Familien ansprechen möchten, die eine Spitalsgeburt anstreben, wird deutlich, dass ihr Herz für die Hausgeburt schlägt. Frauen, die eine Spitalsgeburt planen, werden ermutigt, Krankenhausroutinen zu hinterfragen und sich nötigenfalls auf die eigenen Beine zu stellen. In deutlichen Worten wird vor unnötigen Interventionen gewarnt.
Ab und zu wären Abbildungen hilfreich, z.B. bei der Beschreibung von Massagegriffen. Einige Kleinigkeiten sind der Aktualisierung entgangen, auch an den Geburtsgeschichten und den meisten Quellenangaben ist das eigentliche Alter des Buches erkennbar, was jedoch für die Hauptbotschaften des Buches (leider? - kritische Anmerkungen sind heute noch genauso berechtigt wie 1999) kaum relevant ist. Manche Tipps, wie beispielsweise die Beikostempfehlungen, sind sicher nicht falsch, weichen nur teilweise von den aktuellen Empfehlungen ab, was für Familien eventuell verwirrend sein kann. Die gegenderten Fomulierungen (man/frau) sind manchmal etwas holprig zu lesen, ansonsten verwenden die Autorinnen eine sehr schöne, bilderreichen Sprache.
Für Familien ermutigend, hilfreich und mit vielen Lebensweisheiten gespickt, durchaus auch für Hebammen interessant.