Geburtsbericht von J.


Mein erstes Kind war ein absolutes Wunschkind. Mein Mann und ich haben einige Monate gebastelt, als der letzte Schwangerschaftstest positiv war, konnte ich es kaum glauben. Ich genoss die Schwangerschaft sehr, wie viele werdende Mütter machte ich mir irgendwann natürlich Gedanken über die Geburt. Von Beginn an wollten wir eine freie Hebamme und entschieden uns für das Team Ei-Sprung. Nach Atemkursen, Yoga und Geburtsvorbereitungskurs hatte ich über die letzten Monate der Schwangerschaft ein immer besseres Gefühl in Hinblick auf die Geburt. Ich fühlte mich bereit und wann immer ich mit meiner Tochter im Bauch sprach, sagte ich ihr, wir würden das gemeinsam gut meistern.
An einem heißen Sonntag im August gingen mein Mann und ich schwimmen. Ich hatte schon einige Tage das Gefühl, dass es an diesem Wochenende soweit sein könnte. Kurz vor 17:00 Uhr meinte ich, es reicht, gehen wir nach Hause. Ich ging auf die Toilette und als ich mich wieder anziehen wollte, tröpfelte es weiter. Etwas unsicher fragten wir uns, ob das nun schon die Fruchtblase gewesen sein soll. Ich rief meine Hebamme Carina an und sie meinte, wir sollten mal beobachten, ob das Tröpfeln aufhört oder weitergeht und solange ich keine Wehen hätte, könnte ich mich ruhig entspannen. Das Tröpfeln hörte nicht auf, wurde sogar stärker. Somit war klar, dass die Fruchtblase geplatzt ist. Mein Mann und ich haben beschlossen, den Krankentransport zu rufen (da rund um das Spital ohnehin Kurzparkzone ist). Ich rief an, da ich eindeutig die coolere war (normalerweise ist es eher andersrum). Danach ging ich noch duschen und legte mich auf die Couch vor den Fernseher (sämtliche FreundInnen, die bereits Eltern waren, meinten, wir sollten vor der Geburt noch so viel wie möglich fernsehen). Der Krankentransport brauchte eine Weile bis er bei uns war. Die SanitäterInnen kamen in die Wohnung und waren erstaunt, dass ich selbstständig gehen wollte. Sie bestanden darauf, dass ich mich auf die Barre legen sollte. So transportieren sie mich in den Krankenwagen und fuhren in Höllentempo ins Krankenhaus. Ich hielt die Aufregung für unangebracht, war mir sicher, dass alles noch ewig dauern würde, wenn sie mich überhaupt nicht wieder nach Hause schicken...
Im Spital angekommen, war Carina bereits da. Sie war wie immer entspannt und untersuchte mich. Wehen ließen noch auf sich warten bzw. waren sie noch so leicht, dass ich sie kaum spürte. Carina meinte, ich werde in jedem Fall im Krankenhaus bleiben, es kann jedoch sein, dass wir meinen Mann wieder nach Hause schicken müssen. Dieser Gedanke gefiel mir gar nicht. Wir beschlossen gemeinsam, dass wir ein wenig warten, spazieren gehen usw. Nachdem mein Mann und ich ein wenig im Garten des Krankenhauses spazieren gingen, wurden die Wehen immer stärker. Zwischendurch schickte mich Carina duschen und auf die Toilette. Der Muttermund öffnete sich immer weiter. Nun war klar, dass alles in die gewünschte Richtung ging und mein Mann auch bei mir bleiben durfte. Im Spital war wenig los, wir konnten also bereits sehr bald in Richtung Kreissaal gehen. Ich probierte unterschiedliche Positionen aus, veratmete die Wehen, die tatsächlich eher Wellen gleichen, und dachte nicht mehr nach. Die Zeit verging unheimlich schnell. Irgendwann hatte ich im großen Bett des Kreissaals eine gute Position für mich gefunden (ich hielt mich oben fest, den Kopf meist in den Armen vergraben, stellte mich auf meine Knie und kehrte meiner Hebamme und meinem Mann den Rücken) und war ganz bei mir und meinem Baby. Normalerweise bin ich kein spiritueller Typ, aber ich war wie in Trance. Ich bekam nichts mehr um mich herum mit, verlangte nur ab und zu nach Wasser, das mir mein Mann reichte. Carina massierte mich, legte warme Tücher auf den Damm oder kühle auf die Stirn, ganz wie ich wollte. Bis zu den Presswehen ging alles toll voran, ich hatte keine Zweifel, keine Gedanken, ich war einfach in der Situation, viele, viele Stunden lang, die wie Minuten vergingen. Die Presswehen selbst dauerten wiederum sehr lange, irgendwann bekam meine Tochter Stress. Hebamme und Arzt erklärten mir, dass sie gerne mit Saugglocke und Druck mithelfen würden. Dieses Ende der Geburt war unerwartet und unschön, doch das wichtigste war für uns alle, dass es dem Baby gut geht und die Herztöne wieder besser werden. Hinterher hat sich herausgestellt, dass die Nabelschnur zu kurz war, sie hat die Kleine immer wieder hinein gezogen, außerdem hat sich der Kopf nicht richtig ins Becken gedreht, wodurch zusätzlich alles erschwert wurde.
Als mein Kind endlich da war und mir auf die Brust gelegt wurde und sofort zu saugen begann, war alles andere ohnehin egal. Unbeschreiblich das Gefühl. Zusätzlich zur Freude über unser Kind war mein Mann unheimlich beeindruckt und stolz auf mich - und ich auch.
Ich freue mich auf weitere Geburtserlebnisse.