Hebammenbetreuung in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen sind unsicher, ambivalent oder voller Vorfreude, brauchen Zeit, sich mit der verändernden Lebenssituation auseinanderzusetzen, kommen in der Schwangerschaft langsam an, träumen heftig, möchten ewig schwanger sein, werden sehr sehr ungeduldig.

Hebammen fragen nach der Befindlichkeit, nehmen sich Zeit, hören zu, geben Raum, freuen sich mit der Frau.

Schwangere Frauen haben Ängste und Sorgen, kommen mit der Unplanbarkeit und Unausweichlichkeit schwer zurecht, wollen sich optimal vorbereiten, lassen sich ein, sind gelassen, zuversichtlich, bang, guter Hoffnung.

Hebammen geben Sicherheit, sprechen an, hören genau hin, haben Verständnis, bieten Unterstützung.

Schwangere Frauen kommen mit langen Listen an Fragen zum Termin, mit einem oder zwei Themen, um die sie gerade kreisen oder auch ganz ohne Erwartungen, lassen sich vom Treffen überraschen, glauben, keine Fragen zu haben, und doch beginnen sie aus ihnen nur so hinauszupurzeln, sobald ihnen der Raum dafür gegeben wird.

Hebammen beantworten, erklären, beraten, geben konkrete Tipps, verweisen weiter, stellen selbst bei der Anamnese ganz viele Fragen.

Schwangere Frauen fühlen sich in ihrem sich verändernden Körper wohl oder unwohl, leiden unter Schwangerschaftsbeschwerden oder können sie auch einfach hinnehmen, blühen auf, fühlen sich sehr müde oder ganz in ihrer Kraft.

Hebammen fragen nach körperlichen Gegebenheiten, berühren die Frau, tasten - vielleicht zum ersten Mal - den Bauch der Frau ab, schauen sich auch den Blutdruck und den Harn an, bekommen Hinweise auf Stressfaktoren, spüren Spannungen im Körper, zeigen Körperübungen, können ganz viel als normal erklären.

Schwangere Frauen machen sich im Kopf Bilder von ihrem Kind, sprechen mit ihrem Kind, spüren die ersten Kindsbewegungen, haben Zweifel an der Gesundheit ihres Kindes.

Hebammen ertasten die Lage und Größe des Kindes, hören die Herztöne des Kindes, sprechen über das Kind, sprechen mit dem Kind, bringen die Beziehung zum Kind zur Sprache.

Schwangere Frauen holen sich bei der Hebamme eine zweite Meinung, trauen sich auch, die scheinbar banalen Dinge zu fragen, können bei wiederholten Besuchen Vertrauen entwickeln, auch größere oder intimere Themen zur Sprache zu bringen, holen sich ganz praktische Informationen.

Hebammen sind bei Hausbesuchen der Gast, sind sich des Vertrauens bewusst, das ihnen entgegengebracht wird, haben Vertrauen in die Frau und in ihre weiblichen Kompetenzen.

Schwangere Männer sind verspätet schwanger, oft genauso unsicher, überfordert, tun sich schwer mit der Bedürftigkeit ihrer Partnerin, sind stark, packen an.

Hebammen hören auch den werdenden Vater, erklären ihm den Zustand ihrer Partnerin, lassen ihn das Kind tasten und seine Herztöne hören.

Schwangere Frauen sind selbst die besten Expertinnen für ihren Körper und ihren Zustand, niemand kann ihre Individualität besser einschätzen als sie selbst.

Hebammen bemühen sich um einen ganzheitlichen Blick, spüren mit der Frau gemeinsam ihre Kraftquellen auf, unterstützen Frauen, ihren Weg zu finden und zu gehen, begleiten mit Fachwissen, Handfertigkeit und Umsicht durch die Veränderungen.

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Die Betreuung der Frauen und Familien während der Geburt ist wohl der bekannteste Teil der Hebammenarbeit. Weniger bekannt ist, dass auch die Schwangerenbetreuung zum Tätigkeitsfeld der Hebamme gehört.

Hebammen sind gesetzlich zur Betreuung, Beratung und Pflege der gesunden Schwangeren berechtigt. Eigenverantwortlich dürfen sie eine Schwangerschaft feststellen, die normal verlaufende Schwangerschaft beobachten, zur Beobachtung des Verlaufs einer normalen Schwangerschaft notwendige Untersuchungen durchführen sowie Untersuchungen, die für eine möglichst frühzeitige Feststellung einer regelwidrigen Schwangerschaft notwendig sind, veranlassen bzw. darüber aufklären. Auch die Vorbereitung auf Geburt und Elternschaft gehören zum gesetzlich geregelten Tätigkeitsgebiet der Hebammen. Zu all diesen Tätigkeiten werden sie auch ausgebildet.
Internationale Studienergebnisse belegen die Sinnhaftigkeit von Schwangerenbetreuung durch Hebammen: Industrieländer, in denen Hebammen hauptverantwortlich für die Betreuung gesunder Schwangerer sind, haben bessere mütterliche und kindliche Ergebnisse (niedrigere Sterblichkeit, geringere Kaiserschnittraten) als Industrieländer, in denen gesunde Schwangere von GynäkologInnen betreut werden. Nur durch eine Hebammenbetreuung der normalen Schwangerschaft sind auf ärztlicher Seite genug Kapazitäten frei, um Problemschwangerschaften im tatsächlich nötigen Umfang zu betreuen.
Schwangerschaft ist ein physiologischer Prozess. Hebammen sind geschult, Schwangerschaft primär als solchen zu betrachten und den physiologischen Schwangerschaftsverlauf zu unterstützen und zu begleiten. Sie haben zum Ziel, die Physiologie zu erhalten und die Kraft der Frau zu stärken. Die WHO sieht die Schwangerenvorsorge durch Hebammen als optimale und risikomindernde Betreuung der gesunden Schwangeren an.
Auch aus Sicht der „Frühen Hilfen“ macht die Einbeziehung der Hebammen in die Schwangerenbetreuung Sinn. Ziel der Frühen Hilfen ist es, Eltern so früh wie möglich umfassend bei der Aufgabe zu unterstützen, ihre Kinder gut und verlässlich zu versorgen und eine liebevolle, sichere Bindung zu ihnen aufzubauen. Studien belegen, dass sich Investitionen in die Unterstützung von Menschen umso mehr rentieren, je früher sie getätigt werden.
In unseren Nachbarländern Deutschland und der Schweiz haben Frauen die Wahlfreiheit, ob sie die Schwangerenvorsorge beim Arzt, bei der Hebamme oder bei beiden im Wechsel durchführen lassen möchten. In Österreich erfahren Frauen jedoch finanzielle Nachteile in Form von Kürzungen des Kinderbetreuungsgeldes, wenn sie die Vorsorgen nicht bei einem Arzt/einer Ärztin durchführen lassen. Dennoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Familien auch bei uns in der Schwangerschaft zu einer Hebammenbetreuung kommen können:
•    Plant eine Frau eine ambulante Geburt (sie geht in den ersten 24 Stunden nach der Geburt aus dem Spital nach Hause), werden zwei Termine mit einer Hebamme in der Schwangerschaft von den Krankenkassen bezahlt bzw. teilerstattet. Bei einer geplanten Hausgeburt können bis zu sieben Besuche in der Schwangerschaft in Anspruch genommen werden, die von den Krankenkassen zum Teil rückerstattet werden.
•    Im Hebammenzentrum als anerkannte Familienberatungsstelle können wir kostenlose einstündige Beratungsgespräche nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung während der gesamten Schwangerschaft sowie auch im 1. Lebensjahr des Kindes anbieten.
•    Neu ist die Möglichkeit einer freiwilligen Hebammenberatung zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche, die als Leistung im Mutter-Kind-Pass verankert wurde.
•    Jede Frau kann privat Hebammenbegleitung durch die Schwangerschaft in Anspruch nehmen, egal, ob sie von der Hebamme auch bei der Geburt betreut wird oder nicht. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund €50,- für ein Treffen bei der Hebamme bzw. €80,- für einen Hausbesuch.
•    In den letzten drei Jahren ermöglichte das Pilotinnenprojekts des Hebammenzentrums Frauen, sich in der Schwangerschaft bis zu vier Mal kostenlos durch die selbe Hebamme betreuen zu lassen. Finanziell wurde dieses Projekt durch die deutsche Stiftung Auerbach ermöglicht. Für das Jahr 2014 erhalten wir nun keine Unterstützung von dieser Seite. Daher kann das Projekt zur Zeit nur im kleinsten Rahmen fortgeführt werden.
Das Pilotinnenprojekt ist uns eine echte Herzensangelegenheit, und die positiven Rückmeldungen der Frauen bestärken uns darin, unsere Bemühungen fortzusetzen, auch weiterhin Sponsoren zu finden, die die Fortführung des Projekts möglich machen. Wenn es für Sie vorstellbar ist, das Projekt mit einer finanziellen Spende - egal welcher Höhe - zu unterstützen, damit wir auch im nächsten Jahr Frauen / Familien diese aus unserer Sicht so wertvolle Betreuung anbieten können, oder wenn Sie jemanden kennen, eine Privatperson, eine Stiftung, eine Einrichtung o.ä., die bereit sein könnte, das Pilotinnenprojekt zu fördern, wenden Sie sich bitte an uns, wir sind für jegliche Unterstützung sehr dankbar!

„...einen alternativen Ansprechpartner zum Arzt zu haben, die Schwangerschaft als Ganzes zu besprechen – nicht nur den körperlichen Aspekt.“

„Ich konnte besser mit meinen Ängsten umgehen und Fragen stellen, die ich sonst niemandem gestellt hätte.“

„Ich bin gelassener an die Geburt herangegangen und hatte nicht so eine sture Vorstellung, wie diese sein soll.“

„Habe mich wohlgefühlt und würde beim nächsten Kind eine Hebamme durch die Schwangerschaft nehmen wollen.“

„Die offenen Fragen wurden beantwortet und das eigene Selbstbewusstsein gestärkt, das alles gut zu meistern.“

„Die körperliche Betreuung und Untersuchung hat mir neben dem ärztlichen Ultraschall- und Perzentildenken das natürliche Verhältnis zu meiner Schwangerschaft zurückgegeben.“

„Danke an die Initiatorin des Projekts. Jede schwangere Frau sollte eine Hebamme haben!“