Entspannung pur

Sie tun einfach gut und sind gleichzeitig Balsam für die Seele:
Handmassagen und Nackenwickel. Bei der Hebammenarbeit in Schwangerschaft und Wochenbett sind die wohltuenden Handgriffe besonders wertvoll. Kosmetikerin Birgit Kannengießer sagt, worauf es dabei ankommt.

Interview: Kristina Hartmann


Frau Kannengießer, was ist das Wesentliche bei der Handmassage?
Die Handmassage ist gut geeignet, um miteinander in Kontakt zu kommen. Ist eine schwangere Frau emotional angespannt oder hat im Wochenbett starke Stimmungsschwankungen, ist es für Hebammen wichtig, zunächst eine Verbindung zur Frau aufzubauen. Ideal dafür ist ein ruhiger Ort, an
dem Sie 15 Minuten ungestört sind.

Wie bereite ich mich vor?
Achten Sie darauf, dass Ihre eigenen Hände warm sind. Feuchten Sie die Haut leicht an, z. B. mit dem Weleda Rosengesichtswasser. Das ist wichtig, weil trockene Haut das Öl nicht aufnehmen kann. Geben Sie ein wenig Öl in die Innenfläche Ihrer Hände und verteilen Sie es leicht. Die Arbeitshand sollte mehr Öl haben als die unterstützende Hand.

Wie beginne ich?
Die Verbindung baue ich über das Halten der Hand auf: Lassen Sie die Hand der Frau in Ihrer Hand ruhen und legen Sie Ihre zweite Hand sanft darüber. Verweilen Sie solange, bis Sie spüren, Ihr Gegenüber ist bei Ihnen angekommen. Ich beginne mit rhythmischen Bewegungen bis zum Ellenbogen zu streichen und wieder zurück. Legen Sie die Hand während der Massage nicht ab. Bei allen Handgriffen ruht die Hand der Frau in Ihrer Hand.

Was passiert während der Massage?
Die Handmassage stimuliert sanft über die Reflexzonen: Sie entstaut die Blut- und Lymphgefäße, harmonisiert den Stoffwechsel, trägt zur Lockerung der Gelenke bei und durchwärmt und pflegt die Haut. Vermitteln Sie durch langsame streichende Bewegungen Zuwendung und Zeit. Lassen Sie die Frau spüren: Du bist mir wichtig. Die Massage mit Pflanzenölen regt die Durchblutung an und durchwärmt. Je nach Duftnote wirken ätherische Pflanzenöle belebend und inspirierend oder beruhigend und entspannend.

Kann ich die Massage auch kurz vor der Geburt anbieten?
Gerade kurz vor dem Geburtstermin wächst bei vielen Frauen die Anspannung. Bei der Handmassage können die Frauen loslassen und sich entspannen. So kommen Frau und Hebamme miteinander ins Gespräch. Im Wochenbett sind die Handgriffe eine Geste der Konzentration auf die frischgebackene
Mutter: Sie tun einfach rundum gut.


Quelle: Weleda Hebammenforum 4/2009

1. Effleurage (3 Wiederholungen)
Die Stützhand hält die zu massierende Hand, während die Arbeitshand mit sanftem Druck in zarten, streichenden Bewegungen von den Fingerspitzen über Handrücken und Unterarm zum Ellenbogengelenk (dieses umkreisen) und wieder zurück gleitet.

2. Jeden Finger einzeln ausmassieren
Der Daumen führt im Uhrzeigersinn kreisende Bewegungen aus, die restlichen Finger stützen den zu massierenden Finger. Finger vom Nagelbett über die einzelnen Gelenke bis zum Fingergrundgelenk massieren. Fragen Sie die Frau, bevor Sie beginnen, ob sie Schmerzen in den Gelenken hat.

3. Finger in die Länge ziehen
Den Finger am Fingergrundgelenk mit der ganzen Hand greifen und zurück zur Fingerspitze streichen, wodurch der Finger mit sanftem Druck in die Länge gezogen wird. Diesen Vorgang bei jedem einzelnen
Finger wiederholen. Ebenfalls mit dem Daumen der rechten Hand beginnen.

4. Ausstreichen der Handrückenzwischenräume (3 Wiederholungen)
Dieser Griff bearbeitet die Gelenkzwischenräume und lockert die Sehnen und Muskeln. So umgreifen, dass beide Handflächen unter der Massagehand liegen. Streichen Sie mit beiden Daumen die Handrückenzwischenräume in Richtung Handgelenk aus.

5. Durchkneten der Handinnenfläche
Drehen Sie die Massagehand um. Die Stützhand bildet eine Schale und nimmt den Handrücken auf, damit die Arbeitshand die gesamte Handinnenfläche kreisförmig mit dem Daumen ausmassieren kann. Erkundigen Sie sich, wie der Druck der Massage empfunden wird.

6. Lockerung  der einzelnen  Finger
Jeden einzelnen Finger nochmals durch kreisförmige Bewegungen lockern. Beginnen Sie wieder am Daumen, arbeiten Sie zum kleinen Finger hin.

7. Wiederholen Sie nun die Effleurage (siehe 1)
 

Tipp: Bevor Sie beginnen, erwärmen Sie das Öl für ein paar Minuten in der Innenfläche Ihrer Hand. Durch die gleiche Temperatur von Hand und Öl fühlt sich die Frau bei der Geburtsarbeit angenehm warm eingehüllt.