DIE GEKONNTE NICHT-INTERVENTION

Veranstaltung des Hebammenzentrums - Verein freier Hebammen am 30.11.2007

Unter dem Titel „Die gekonnte Nicht-Intervention" lädt das Hebammenzentrum am Freitag, den 30.11.2007 alle am Thema Geburt Interessierten zu einer Veranstaltung an der Universität Wien ein: (werdende) Mütter und Väter, im Bereich der Geburtshilfe Tätige wie KinderärztInnen, GynäkologInnen, Hebammen und Kinderkrankenschwestern sowie alle anderen, die sich für das Thema Geburt interessieren.

„Die gekonnte Nicht-Intervention" ist sowohl Titel als auch inhaltliche Botschaft. Auch die Nicht-Intervention ist eine Handlung, nämlich jene, sowenig als möglich und soviel als nötig von außen in das Geburtsgeschehen einzugreifen. Dadurch wird die ureigene Kraft und Kompetenz der gebärenden Frauen so umfassend als möglich unterstützt.

Allen drei Beiträgen ist gemeinsam, dass sie von außen auf die Arbeit der Hebammen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett blicken. Die Hebammenkunst wird aus Sicht eines Mediziners und mit einem Film über Hausgeburten gezeigt. Auch die Frauen selbst kommen zu Wort. Im Rahmen einer Evaluierung über das Hebammenzentrum wurden Frauen, die zur Beratung kamen, dazu befragt, wie sie die Arbeit der Hebammen sehen.

Jede Hebamme im Verein freier Hebammen hat ihren persönlichen Stil, ein Credo verbindet jedoch alle unsere Hebammen: Das leidenschaftliche Bekenntnis zur Geburt ohne Gewalt. Ziel unserer Veranstaltung ist es auch, die komplexe Frage, was Gewalt unter der Geburt überhaupt bedeutet und was die an der Geburt Beteiligten tun können, damit sie nicht stattfindet, zu beleuchten.

PROGRAMM

Vortrag von Dr. Rockenschaub

Dr. Rockenschaub, 20 Jahre Leiter der Semmelweis-Frauenklinik und Autor des Buches „Gebären ohne Aberglaube" setzt sich in seinem Vortrag mit der Kunst der Hebammentätigkeit auseinander.

Rockenschaub leistete jahrzehntelang Pionierarbeit und ist international anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Geburtshilfe. Mit seinem Konzept weicht er von jenem doktrinären System ab, „das die Hebamme nur als subalterne Handlangerin der Geburtsmedizin betrachtet." Seinem Ansatz nach gilt es zu erkennen, dass „... Geburtshilfe mehr ist, als geburtsmedizinische Technologie oder geburtspsychologischer Dilettantismus."

Trotz harscher Kritik seitens seiner Kollegenschaft setzte Rockenschaub sein Konzept an der Semmelweis-Frauenklinik konsequent um und der Erfolg gab ihm recht. So konnte beispielsweise die Kaiserschnittrate an der Semmelweis-Frauenklinik deutlich gesenkt werden, während sie in den anderen Spitälern Wiens kontinuierlich anstieg.

Unsere Veranstaltung ist auch eine Gelegenheit, den heute 84Jährigen persönlich zu erleben.

Präsentation der Evaluierung des Hebammenzentrums

Das Hebammenzentrum wurde 2006 evaluiert, die Ergebnisse werden nun im Rahmen unserer Veranstaltung präsentiert. Inhalt der Evaluierung ist die Erhebung der Zufriedenheit der beratenen Frauen mit dem Angebot und den Rahmenbedingungen im Hebammenzentrum und die Analyse des persönlichen Nutzens, den sie aus diesem Angebot ziehen. Die übergeordnete Fragestellung lautet, inwiefern die Frauen mit dem Angebot zufrieden sind, und ob sie durch die Beratungs- und Betreuungstätigkeit des Hebammenzentrums zu selbstbestimmten Entscheidungen und Handlungen bestärkt werden.

Maga. Andrea Reiter, Mitbegründerin der SoziolgieWerkstatt, beschäftigt sich seit Jahren mit frauenpolitischen Inhalten, Schwerpunkt ihrer Tätigkeit sind wissenschaftliche Forschungsprojekte.

Uraufführung Film „will*kommen - Frau Achter hilft"

Anschließend wird der Film „will*kommen - Frau Achter hilft" der Wiener Regisseurin und Künstlerin Detti Vollkorn uraufgeführt.

Detti Vollkorn, die selbst alle ihre Kinder zu Hause auf die Welt brachte, zeigt in ihrem Film, wie individuell Hausgeburten sein können. Sie filmte zwei Hebammen bei der Arbeit und produzierte einen Dokumentarfilm ohne Kommentar. Schlicht erzählt, mitunter gewaltig, schön, schöpft der Film aus der Kraft der Bilder, jedoch ganz ohne Pathos.

Detti Vollkorn, deren Filme auf der Diagonale sowie auf anderen Filmfestivals und im Wiener Filmcasino zu sehen waren, sieht die Arbeit der Hebammen so: „Die Urkraft der Frauen wird durch die Hebammen gestärkt. Die Geburt ist eine normale Sache. Aber auch eine extreme Situation, die Frauen erleben können sollen, ohne dass sich ständig wer einmischt."

 

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